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MiFID

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MiFID

Was ist MiFID?

Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) ist eine Finanzmarktdirektive, welche per Ende 2007 durch die Europäische Union in Kraft gesetzt wurde. Auslöser für dieses Regulatorium war der stete Anstieg des grenzüberschreitenden Handels seit 2006. Ferner sollte MiFID gegenüber dem Vorgänger ISD (Investment Services Directive) auch Rohstoff-Derivate mit abdecken. Die Hauptziele von MiFID sind die Erhöhung der Markteffizienz, die Harmonisierung von Geschäftsprozessen und –regeln, die Förderung der Zusammenarbeit von Regulierungsbehörden und insbesondere die Erhöhung des Investorenschutzes.

Wer ist durch MiFID betroffen?

Direkt betroffen durch die MiFID-Direktive sind Investment-Gesellschaften, regulierte Märkte, und Kreditinstitute in der EU. Sämtliche genannten Institute in der EU müssen die Richtlinien von MiFID vollumfänglich einhalten. Obwohl aber MiFID als Direktive der Europäischen Union gilt, sind auch Finanzinstitute in Nicht-EU-Staaten betroffen. Einerseits profitieren Nicht-EU-Finanzinsitute vom erhöhten Wettbewerb über die Landesgrenzen hinaus und den möglichen Einbezug in die Best-Execution-Prozesse. Unter gewissen Umständen sind aber auch verschiedenste MiFID-Regeln und -Prozesse durch Finanzinstitute in Nicht-EU-Staaten zu beachten und einzuhalten. Durch das Lugano-Übereinkommen (LugÜ) wird im Gerichtsfall mit einem Investor eines LugÜ-Staates der Gerichtsstand des Investors zur Anwendung kommen. Da die EU Teil der LugÜ-Staaten ist, gilt also bei jeder geschäftlichen Beziehung mit EU-Kunden die Einhaltung der MiFID-Richtlinien. Ferner fallen sämtliche ausländischen Geschäftsstellen und Tochtergesellschaften mit Domizil in der EU unter MiFID.

MiFID sollte allerdings keineswegs rein einschränkend betrachtet werden. Insbesondere die freiwillige Umsetzung der Richtlinien kann zu sehr positive Effekten führen. Dadurch dass der Investorenschutz als ein Hauptziel von MiFID gilt, kann durch dessen Umsetzung das Vertrauen von Kunden nachhaltig gestärkt und gefördert werden.

Was beinhaltet MiFID?

Die Bestandteile von MiFID lassen sich in verschiedene Kategorien mit verschieden hohen Anforderungen an diverse Bereiche einteilen. Die nachfolgende Grafik zeigt die wichtigsten Bestandteile systematisch auf:

Abbildung 1: Die Bestandteile von MiFID

Je nachdem, ob es sich bei einer Transaktion um einen Advised oder Non Advised Service handelt, müssen verschiedene Tests durchgeführt werden. Dies sind namentlich die Appropriateness und Suitability Tests. Dabei ist das Finanzinstitut verpflichtet, den Kunden mit allen notwendigen Informationen zu bedienen (Duty of information). Die Best Execution-Prozesse stellen sicher, dass dem Investor jederzeit jener Ausführungsplatz vorgeschlagen wird, welcher hinsichtlich Preis, Wahrscheinlichkeit der Ausführung und dessen Schnelligkeit das beste Angebot bietet. Ferner beschreibt MiFID verschiedene Regeln in Bezug auf Anreize und Interessenskonflikte.

Anforderung an Referenzdaten

Um den oben genannten Anforderungen gerecht zu werden, reicht die Umstellung der bankinternen Prozesse oft nicht aus. Nebst der intensiven Beschaffung von Kundendaten ist die Beschaffung von zusätzlichen Referenzdaten dabei oft ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung. Die nachfolgende Grafik zeigt verschiedene Beispiele für den aus MiFID resultierenden Bedarf an Referenzdaten auf:

Abbildung 2: MiFID-Referenzdaten

  

MiFID II

Aktueller Stand

Im letzten Quartal des Jahres 2011 wurde der erste Entwurf für die Nachfolgedirektive von MiFID vorgelegt. Es ist geplant, dass MiFID II im Jahr 2014 in Kraft treten wird. Bereits aufgrund der Vorlage des ersten Entwurfs war zu erwarten, dass diese erste Überarbeitung der Direktive um einiges tiefer greifende regulatorische Bestimmungen mit sich bringen wird als dies zur Zeit unter MiFID der Fall ist. Gegen Ende des dritten Quartals 2012 hat die Mehrheit des EU-Parlaments dem Vorschlag zugestimmt, wobei der vorgelegte Entwurf sogar teilweise noch verschärft wurde. Im nächsten Schritt werden sich die EU-Staaten im Ministerrat auf eine gemeinsame Position einigen müssen.

Inhalte

Mit MiFID II stützt sich die EU-Kommission auf die bestehenden Regeln von MiFID und schlägt weitere Regulierungen zum Anlegerschutz vor. Eine der wichtigsten Neuerungen ist dabei, dass der Verkauf von Strukturierten Produkten sowie deren Emission als Wertpapierdienstleistung gilt, selbst wenn dabei keine Beratung des Kunden erfolgt. Zudem werden wohl auch die Richtlinien zur best execution, der Eignungsüberprüfung und der execution only-Geschäfte verschärft werden. Im Rahmen letzterer soll der Rahmen der als complex klassifizierten Instrumente massiv erweitert werden.

Betroffen von den Verschärfungen gegenüber dem ersten Entwurf von MiFID II ist insbesondere der Hochfrequenzhandel. Dieser unterliegt soll unter MiFID II neu einer gesetzlichen Haltefrist von mindestens 0,5 Sekunden unterliegen. Das geplante Verbot von Provisionen für die Vermittlung von Geldanlagen wurde hingegen fallen gelassen. Eine umfassende Offenlegung dieser Provisionen soll neu ausreichen.

Auswirkungen auf Finanzinstitute in Drittstaaten

Nach aktuellem Wissensstand ist zu erwarten, dass sich auch die Auswirkungen auf Drittstaaten verschärfen werden, was allerdings im Parlamentsausschuss weniger prominentes Thema war. Unter MiFID II soll ein Finanzinstitut, welches Dienstleistungen für Kleinanleger in der EU erbringen will, eine Zweigniederlassung gründen müssen. Von der Zweigniederlassung aus kann das Finanzinstitut anschliessend EU-weit tätig sein können. Von dieser Regelung ausgenommen wären allerdings Dienstleistungen für „professionelle Kunden“ und „geeignete Gegenparteien“. Diese Geschäfte bedingten lediglich eine Registrierung bei der EU-Wertpapierbehörde ESMA.

Anforderungen an Referenzdaten

Da der Rahmen von MiFID II zur Zeit noch nicht genau definiert ist, können die dadurch entstehenden Anforderungen an Referenzdaten zur Zeit nur abgeschätzt werden. Klar ist allerdings, dass in gewissen Bereichen der Anspruch an Referenzdaten deutlich steigen wird. Durch die Ausweitung der Vorschriften zu den execution only-Geschäften ist es denkbar, dass Anforderungen an weitere Klassifizierungen entstehen werden. Im Allgemeinen wird ein erweiterter Anspruch an Referenzdaten für komplexe Instrumente gestellt, da die Informationspflichten gegenüber Kunden erweitert werden soll. Eine erweiterte Klassifizierung und Einordnung der Handelssysteme wird zudem von Nöten sein.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

·       www.nzz.ch (In der EU rück die „Mifid II“ näher)

·       www.handelsblatt.com (EU-Parlament kippt Provisionsverbot für Finanzprodukte)

·       www.kpmg.com (MiFID II: Auswirkungen auf das Geschäft mit Privatkunden)

·       www.pwc.ch (Understanding MiFID II)